Moritzburg

Leben im Exil

Nachdem ihre Berliner Wohnung ausgebombt wurde, floh Käthe Kollwitz 1943 vor dem Bombenkrieg zunächst nach Nordhausen. Im Juli 1944 kam sie auf Einladung des Prinzen Heinrich von Sachsen nach Moritzburg. Dort bezog sie zwei Zimmer im Rüden­hof, einem Neben­­gebäude des Moritz­­burger Schlosses.

Wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges verstirbt Käthe Kollwitz am 22. April 1945 in dem Eckzimmer des Obergeschoss im Rüdenhof. An dem Begräbnis, das am 24. April auf dem Moritzburger Friedhof stattfand, konnten nur wenige Menschen teilnehmen. Ihre erste Grabstelle erhielt Käthe Kollwitz an der westlichen Mauer des Friedhofes.

Im November 1945 wurde ihr Leichnam exhumiert und zur Einäscherung nach Meißen gebracht. Gemäß ihrem Wunsch befindet sich nun ihre letzte Ruhestätte im Familiengrab auf dem Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde.

Eine etwas verschwommene Schwarz-Weiß Aufnahme. Käthe Kollwitz sitzt vermutlich in einem Korbsessel auf dem balkon des Rüdenhofes. Sie trägt ein wollenes Kopftuch und einen Wintermantel aus Tweed mit großen Knöpfen. Zusätzlich ist sie in eine Wolldecke gehüllt. Sie blickt ernst und mit leicht zurückgelehnten Kopf in die Kamera.
Käthe Kollwitz auf dem Balkon des Rüdenhofes sitzend. Herbst 1944. Vermutlich letzte Aufnahme.

Geschichte des Kollwitz Hauses/ Rüdenhofes

Kurfürstliche Menagerie:

Das heutige Gelände des Hauses gehörte im 18. Jahrhundert zur kurfürstlichen Menagerie des Schlosses Moritzburg. Es beherbergte unter anderem Vogelquartiere und Straußengehege. 

Nach der Menagerie:

Nach der Verlegung der Tiere wechselten die Gebäude mehrmals den Besitzer. Im Jahr 1896 ging das Haus in den Besitz der Grafen zu Münster über, die Umbauten vornahmen und einen Treppenturm hinzufügten. 

Aufnahme von Käthe Kollwitz:

1944 nahm Ida Gräfin zu Münster auf Wunsch von Prinz Ernst Heinrich von Sachsen Käthe Kollwitz im Haus auf, nachdem deren Berliner Wohnung ausgebombt worden war. 

Tod und Umwandlung:

Käthe Kollwitz starb am 22. April 1945 im Haus. Nach der Enteignung der Grafen ging der „Rüdenhof“ in das Eigentum der Gemeinde über, die ihn 1994 in die „Stiftung Käthe Kollwitz Haus Moritzburg“ einbrachte.

Gedenkstätteneröffnung:
Zum 50. Todestag der Künstlerin wurde das Haus am 22. April 1995 als Gedenkstätte eröffnet. Neben einer detaillierten Ausstellung zum Lebenswerk der Künstlerin kann auch ihr Sterbezimmer im Obergeschoss besichtigt werden.
 
Heute:
Seit der Eröffnung des Gedächtnisortes engagiert sich die „Stiftung Käthe Kollwitz Haus Moritzburg“ gemeinsam mit dem Freundeskreis Käthe Kollwitz Moritzburg e.V. und weiterer enthusiastischer Bürger um den Erhalt des Hauses. Das Ausstellungskonzept wird stets weiterentwickelt und lädt zur Begegnung und zum Auseinandersetzen mit der eigenen Geschichte ein.

Wer war Prinz Ernst Heinrich von Sachsen?

Prinz Ernst Heinirch von Sachsen wurde am 9.12.1896 in Dresden als jüngster Sohn des letzten sächsischen Königs Friedrich August III geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Dresden, Pillnitz und Moritzburg.

Während des Ersten Weltkrieges diente er als Oberleutnant  im Regiment der Sächsischen Armee. In der Weimarer Republik fungierte er als Gutsherr, Vermittler sowie Verwaltungschef.

Im Nationalsozialismus lebte der Prinz zurückgezogen in Moritzburg. Er lehnte den Machtantritt der Nationalsozialisten ab, wurde jedoch als Angehöriger eines ehemaligen deutschen Königshauses größtenteils verschont. Als begeisteter Kunstliebhaber und Anhänger von Käthe Kollwitz ermöglichte er der Künstlerin 1943 die Übersiedlung nach Moritzburg. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg flüchtete Ernst Heinrich vor der Roten Armee. Mit seiner zweiten Frau und den Söhnen aus erster Ehe ging der Witwer nach Irland. Er wurde begeisterter und erfolgreicher Landwirt.

Am 14. Juni 1971 verstarb er ohne je wieder in seiner Heimat Sachsen gewesen zu sein.

Exkurs: Käthe Kollwitz und Dresden

„Mit Karl für zwei Tage in Dresden gewesen…Die schöne Privatsammlung von Herrn Schmitz.“ (Käthe Kollwitz, 10.10.1917)

Käthe Kollwitz hatte einen engen Bezug zu Dresden. 1899 bekam sie auf der Deutschen Kunstausstellung in Dresden für ihren Zyklus „Ein Weberaufstand“ die kleine Goldmedaille. Max Lehrs, damaliger Direktor des Dresdner Kupferstichkabinetts, kaufte das Werk sowie später weitere Arbeiten an, die heute im Dresdner Kupferstichkabinett auf Anfrage zu sehen sind.

Der etablierten Dresdner Emil Richter Kunstverlag veröffentlichte unter der Leitung von Hermann Holst sämtliche Käthe Kollwitz-Drucke von 1910-30. Richter war einer der führenden Galeristen der Moderne und ermöglichte eine breitere Veröffentlichung von Käthe Kollwitz‘ Kunst.

Das Bild zeigt einen Wegweiser aus dem Innenhof des Dresdner Schlosses. Kupferstichkabinett, Paraderäume, Neues Grünes Gewölbe, Kunstkammer Gegenwart sind ausgeschildert. Es soll verdeutlichen, dass Werke von Käthe Kollwitz im Kupferstichkabinett besichtigt werden können.
Ein Schild mit der Aufschrift Deutsche Stiftung Denkmalschutz