Biographie
„Im ganzen war ich ein stilles, schüchternes Kind und auch ein nervöses. Später trat an Stelle dieser Anfälle von Eigensinn, die sich in Gestrampel und Gebrüll äußerten, Verstimmungen, die Stunden und Tage anhalten konnten.“ Käthe Kollwitz Erinnerungen 1923
In über 50 Jahren künstlerischer Tätigkeit schuf Käthe Kollwitz ein umfangreiches grafisches Werk, bestehend aus Handzeichnungen, Radierungen, Lithographien und Holzschnitten. In der zweiten Lebenshälfte nahm die Arbeit an plastischen Werken einen zunehmend größeren Raum ein.
In den Jahren 1908 bis 1943 schrieb Käthe Kollwitz Tagebücher. Diese umfassen neben dem Zweifeln an ihrer künstlerischen Arbeit die Freuden und Sorgen einer liebenden Mutter, Großmutter, Ehefrau. 1989 erscheinen gleichzeitig in der BRD und der DDR die gesammelten Tagebücher, herausgegeben von Enkelin Jutta Bohnke-Kollwitz. Sie sind in 2. Auflage im btb Verlag erhältlich.
Lebenslauf
1867 Käthe Schmidt wird am 8. Juli in Königsberg geboren
1885/86 Studium an der Künstlerinnenschule in Berlin
1888/89 Studium der Malerei an der Künstlerinnenschule in München
1891 Heirat mit Karl Kollwitz. Das Paar zieht nach Berlin, wo sich Karl Kollwitz am Prenzlauer Berg als Kassenarzt niederlässt.
1892 Teilnahme an der „Freien Kunstausstellung“ in Berlin, Geburt des Sohnes Hans
1893 Besuch der Uraufführung von Gerhard Hauptmanns Drama „Die Weber“
1893 bis 1898 Arbeit an dem ersten grafischen Zyklus „Ein Weberaufstand“
1896 Geburt des Sohnes Peter
1898 Künstlerischer Durchbruch mit „Ein Weberaufstand“ bei der Großen Berliner Kunstausstellung
1898 bis 1903 Lehrerin an der Künstlerinnenschule Berlin
1902 bis 1908 Arbeit am Radierzyklus „Bauernkrieg“
Auftragsarbeit der „Verbindung für historische Kunst“ ?
1903 Erstellung eines ersten Werkverzeichnisses durch Max Lehrs
1904 Studienaufenthalt in Paris, Besuch im Atelier von Auguste Rodin
1907 Auszeichnung mit dem von Max Klinger gestifteten „Villa Romana Preis“ mit Studienmöglichkeit in Florenz
1908 bis 1910 Mitarbeit an der satirischen Zeitschrift „Simplicissimus“
1909 Beginn der plastischen Arbeiten
1914 Der jüngere Sohn Peter fällt 18jährig als Kriegsfreiwilliger in Flandern
1917/1918 Große Jubiläumsausstellung zum 50. Geburtstag bei Paul Cassirer
1919 Ernennung als erste Frau zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste unter gleichzeitiger Verleihung des Professorentitels
1922 bis 1924 Arbeit an der Holzschnittfolge „Krieg“
1927 Reise in die Sowjetunion
1928 Leitung des Meisterateliers für Grafik an der Akademie der Künste Berlin
1929 Erhält den Orden „Pour le merite“ der Friedensklasse der Wissenschaft und Künste
1932 Aufstellung des Mahnmals „Die Eltern“ für den gefallenen Sohn Peter auf dem Soldatenfriedhof Roggefelde/Flandern
1933 Durch die Nationalsozialisten erzwungener Austritt aus der Akademie der Künste
1934 bis 1942 Es entstehen die Lithografie-Folge zum „Tod“ und ein Großteil ihrer Plastiken
Der Enkel Peter fällt im 2.Weltkrieg.
1943 Flucht aus Berlin, Zerstörung ihrer Wohnung und vieler Drucke und Platten
1944 bis 1945 Aufenthalt in Moritzburg bis zu ihrem Tod am 22. April 1945